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Andere Verlage » Timm: Verlorene Kindheit - Errungene Freiheit   1 Titel

Biografie eines unbequemen Libertären

208 Seiten. [Leseprobe]


Die Autobiografie von Uwe Timm dokumentiert nicht nur die persönliche Bilanz und Entwicklung eines politischen Menschen, sondern stellt darüber hinaus auch ein Stück Zeitgeschichte des deutschen Nachkriegsanarchismus dar, bei dem Timm bis heute eine markante Rolle einnimmt. Der Anarchismus in Deutschland selbst ist eine schnelllebige Bewegung, in der in rascher Folge ein Generationswechsel stattfindet. Seit den 1960er Jahren ist der Anarchismus in diesem Sinne vor allem ein "Jugendphänomen" und Bestandteil der Jugendbewegung und -kultur. Vor diesem demographischen und soziologischen Hintergrund erhält die Autobiografie von Uwe Timm eine besondere Bedeutung:

Timm zählt zur "mittleren Generation" des Anarchismus in der Bundesrepublik: Zwischen der Tradition des "Alt-Anarchismus" und des "Neo-Anarchismus" im Zuge der "68er-Bewegung". Seine politische Sozialisation erfolgte in den 1940er und 1950er Jahren und ist geprägt durch die Widerstandskultur jener Zeit. Er ist damit keiner jener militanten Barrikadenkämpfer, die immer wieder auch Bestandteil der anarchistischen Bewegung waren und sind. Timm zeigt sich in Sprache und Inhalt als ein libertärer Individualist, Intellektueller und Humanist und bewegt sich an der Schnittstelle von Anarchismus, Individualismus und Liberalismus.

Uwe Timm ist nicht nur ein beobachtender Zeitzeuge des deutschen Nachkriegsanarchismus, sondern auch einer seiner Gestalter. Sein Engagement zeigte sich nicht nur auf der "Straße", sondern vor allem auch publizistisch in vielen Beiträgen und Kommentaren in libertären Zeitschriften. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch sein beruflicher Werdegang, zuletzt als Konstrukteur im Anlagenbereich eines großen Hamburger Industrieunternehmens. Ungewöhnlich für einen Anarchisten ist seine Tätigkeit als Betriebsrat, die er von 1981 bis 1992 ausübte.

Uwe Timm repräsentiert als Individualanarchist nicht nur eine Minderheitenposition im gegenwärtigen Kontext der antiautoritären Bewegung, sondern vertritt auch innerhalb des Anarchismus selbst mit dem Individualismus in Anlehnung an Max Stirner und John Henry Mackay eine pointierte Position. Darüber hinaus repräsentiert er einen radikalen und bürgerlichen, durch Pazifismus, Individualismus und Antietatismus geprägten Humanismus. (Ulrich Klemm)
ISBN: 978-3-926880-17-8
Titel
19,00 EUR
 

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